DAB reloaded: „Transrapid“ DAB+?

Genau seit einem Jahr ist DAB+ jetzt im Markt. Das runderneuerte, technisch auf Vordermann gebrachte DAB. Ein Erfolgsmodell ist es nach wie vor nicht. Auch nicht unter dem neuen Label „Digitalradio. Radio der Zukunft“. Wer nicht mitspielt, ist der (vor allem als Käufer) avisierte Hörer. Hand auf´s Herz: Warum sollte er auch? Hörer kaufen nicht einen „Verbreitungsweg“, sondern stets nur Programm – vorausgesetzt, es ist attraktiv und so nicht schon irgendwo anders zu finden. Das stellte dieser Tage eine Veranstaltung der BLM in München fest. Mit dem Programmangebot aber steht es – 12 Monate nach dem (Re)launch – nicht zum besten. 

Von den 13 bundesweit empfangbaren Programmen des sogenannten „Bundesmux“ – also des deutschlandweit ausstrahlenden Multiplex – ist die Hälfte so auch schon über Ukw zu hören (wenngleich nicht flächendeckend und/oder mit ausreichender techni-scher Qualität). Ähnlich in den Länder-Multiplexen. Dasselbe noch einmal in Grün. Simulcast nennen das die Techniker.

Schlimmer: Die neuen, extra für DAB+ produzierten Programme sind nicht immer mit der Sorgfalt und Hingabe gemacht, die man als Hörer & Kunde erwarten darf – fand Inge Seibel-Müller in einem Hörtest heraus. Was nicht verwundert, denn mit DAB+ können Anbieter mangels Hörer auf absehbare Zeit kein Geld verdienen. Natürliche Folge: Die laufenden Kosten müssen so niedrig sein wie irgend möglich. Also wird oft nicht original produziert, sondern Content aus den Mutterprogrammen lediglich neu aufgebrüht.

Und wie nun – bitteschön – soll der Hörer das Alles so sexy finden, daß er sich neues Equipment ins Haus holt? Wo er doch im Internet abertausende Radiostationen jeder erdenklicher Musikfarbe „für lau“ vorfindet und sich aufs Handy streamen kann, auf iPad, iPhone & Co. – und bald auch ins Auto?

Technisch machbar und politisch gewollt, doch vom Markt nicht angenommen – das kommt uns bekannt vor. Schon ein anderes Projekt grosser Ingenieurskunst hat diese Erfahrung machen müssen: Die Magnetschwebebahn „Transrapid„.

Auf die Schienen hat sie es nicht geschafft, immerhin aber in die Unsterblichkeit der berühmten Transrapid-Rede des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber („Wenn Sie am Hauptbahnhof…“).

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