Lob & Tadel: Anchor(wo)men ohne Feedback

„Wenn Du nichts hörst vom Chef, dann ist Alles ok“. So lauten meist die Antworten (nicht nur) von Nachrichten-Redakteuren auf die Frage, wie es denn im Haus um Feedback bestellt sei. Kurz: Ob denn gelobt werde in der Redaktion? Lob-Kultur hat es bekanntlich schwer in Deutschland, nicht nur im Radio. So gaben in einer großangelegten Studie der AOK 55% (!) aller 28.000 Beschäftigten in 147 Firmen an, von ihrem Vorgesetzten „selten“ oder „nie“ gelobt zu werden, berichtete jetzt das Weiterbildungsmagazin ManagerSeminare! Exzellente Performance im Job ist nach gängigem Verständnis selbstverständlich – und vermeintlich schon abgegolten mit Honorar oder Gehalt. Das ist nicht von vornherein falsch: Ein definierter qualitativer Standard on air und am Newsdesk ist tatsächlich die Voraussetzung einer sinnvollen Zusammenarbeit. 

Richtig ist aber auch: Nichts kränkt Mitarbeiter mehr als fehlendes Feedback. Da kommt sogar Kritik noch besser an. Der Mitarbeiter fühlt sich immerhin noch wahrgenommen.

Um es mit einer zentralen Regel des Nachrichtenhandwerks selbst zu sagen: Nur die Abweichung von der Regel ist eine Nachricht. Folge: Feedback gibt´s nur, wenn etwas schief gegangen ist (dann aber in jedem Fall), oder wenn etwas ganz ausserordentlich gut gelungen ist (dann muß aber schon eine Portion Glück im Spiel sein).

Das Problem: Gerade durch ihre stete Präsenz sind Newsanchor(wo)men für ihre Chefs förmlich unsichtbar. Sie bedienen ein Regelprodukt und sind mit der Zuver-lässigkeit eines Schweizer Uhrwerks stündlich on air. Da werden sie schon einmal „übersehen“.

Was können Anchor(wo)men hier für sich tun? „War ich gut?“ – diese Frage müssen sie zuallererst sich selbst beantworten! Und zwar positiv. Statt zu fragen: „Was ist schief gegangen? Wo hakte es?“, sollten sie die Perspektive drehen: „Was ist mir gut gelungen? Worauf konkret bin ich stolz?“

Und vor der Show? Stellen sie sich auf die Situation am Mikrofon ein wie es Spitzen-sportler im Wettkampf tun: Fokussieren auf´s Gelingen, nicht auf´s Scheitern! Sich vorstellen, wie es eine großartige Show wird!

Feedback „von innen“, das bedeutet auch: Sich aussöhnen mit sich selbst. „Gefühlte Sicherheit“ nannte das jetzt Michael Thanhoffer  auf den Lokalrundfunktagen 2012 in Nürnberg („Kreativ unter Druck. Denkblockaden ade“): An der Performance einer Sendung oder einer Schicht hängt nicht die ganze Existenz!

Erst so wird Spitzenleistung möglich – auch ohne Lob „von oben“!

Ein Kommentar zu „Lob & Tadel: Anchor(wo)men ohne Feedback

  1. Für fundiertes (und vom anchor ernstzunehmendes) Lob müsste es zunächst Vorgesetzte (GFs und PDs) geben, die etwas von news verstehen. Das dürfte eher die Ausnahme sein – sowohl auf PD- als auch auf GF-Ebene.

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