Alte Hüte, zeitlos amüsant?

Witzig! Witzig? Der Auftritt des Kollegen Christoph Ebner vom SWR bei den Tutzinger Radiotagen (17.-19.Juni 2012). In einer Keynote amüsierte er sich und seine 90 Zuhörer bei der traditionellen Radio-Tagung in der Akademie für politische Bildung am Starnberger See, schreibt Sandra Müller auf www.radio-machen.de. Ebner nahm die Sprache der Radionachrichten aufs Korn, wie sie landauf, landab und täglich zu hören ist. 

Sich hier als Kritiker zu profilieren, fällt nicht schwer. Ebner hat natürlich Recht. Von einer unmittelbar hörverständlichen Nachrichtensprache sind wir im Radio oft meilenweit entfernt. Viel zu selten haben wir den Hörer in seiner Hörsituation im Blick. Denn Radiohören ist längst nicht mehr ungeteiltes Zu-Hören, sondern Begleit-Hören – beim Bügeln, Autofahren und Sach-Bearbeiten…

Aber: Ebners Kritik ist ein alter Hut. Seit jeher ist Nachrichtensprache für Ihre Unzugänglichkeit kritisiert worden – auch und vor allem von Vertretern des Anstaltsfunks. Und: Ebners Kritik wird folgenlos bleiben wie es die Anmerkungen seiner Vorgänger waren, solange in den Funkhäusern der Mut fehlt, aus der (richtigen) Erkenntnis die notwendigen Folgen zu ziehen.

Eine neue Nachrichtensprache läßt sich nicht von heute auf morgen „verordnen“. Und realisieren vor allem nicht von einzelnen Akteuren allein. Das Umdenken muß von allen Beteiligten gefordert und gefördert werden – von Redaktionsleitungen und Programmdirektionen.

Die Redaktionen brauchen zudem mehr „Luft“. Denn einfacher Schreiben dauert. Zumal am Anfang. Spröde Agenturtexte in sprechbares Deutsch zu verwandeln ist (anfangs) mühsam und nimmt (nach und nach immer weniger) Zeit in Anspruch.

Umso schöner, wenn es dann klappt.

Hörtipp: Die News von Radio Kiepenkerl (NRW, Kreis Coesfeld) und Life Radio (Oberösterreich, Linz).

Kommentar verfassen